EKLBB

Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLBB)

EKLBB - Bild 1Am Anfang des 19. Jahrhundertes forderte die Brasilianische Regierung Menschen aus Europa auf, das Land in Brasilien zu besiedeln. Tausende hier in Europa nahmen diese Einladung an und so sind aus dem hungrigen Europa, vor allem aus Italien und Deutschland, Menschen nach Brasilien ausgewandert. Aus Deutschland sind Menschen aus dem Hunsrück, Pommern, Schwaben, Sachen und Schlesien ausgewandert und wurden hauptsächlich im Süden Brasilien angesiedelt, dessen Landschaft der mitteleuropäischen nicht unähnlich ist. Die Siedlerinnen und Siedler wurden von Hunger und Elend aus ihrer Heimat getrieben und von der brasilianischen Regierung zum Zwecke der “Aufhellung der Rasse”, der Besiedelung von Grenzgebieten und der schrittweisen Ersetzung der Arbeit der Sklaven angeworben. Die in Brasilien Angekommenen suchten eine neue Zukunft. Mit einem hatten sie nicht gerechnet: dass es dort bereits Menschen gab, nämlich die Indianer. Die zwei Kulturen, die aufeinander prallten, hatten vollkommen verschiedene Weltanschauungen und ein Überlebenskampf begann.

Pfr. Otto Kuhr

Pfr. Otto Kuhr

Wo nur Wald, Tiere und Indianern waren, gründeten die Einwanderer Dörfer. Viele von ihnen hatten das evangelisch-lutherische Bekenntnis, so entstanden die ersten kleinen Gemeinden. Mit Hilfe von Laienprediger haben sie weiter ihren Glauben gepflegt, aber mit der Zeit ist ein starker Ruf nach Deutschland gekommen, deutsche Pfarrer nach Brasilien zu schicken. Die Hilferufe wurden gehört, so dass Pfarrer nach Brasilien gesendet wurden. Im Jahr 1886 wurde der Pfarrer Hermann Borchard aus Berlin entsandt. Da dieser bekenntnismäßig „uniert“ war, fühlte sich das junge Diasporawerk „Lutherischer Gotteskaste“ (heute Martin-Luther-Verein) berufen, für den Erhalt des lutherischen Bekenntnisses in Brasilien Sorge zu tragen, so dass im Herbst 1897 in Rottenburg o. d. Tauber der erste, von vielen folgenden, bayerische Pfarrer, Otto Kuhr, nach Brasilien entsandt wurde.

Die in Brasilien gegründeten Gemeinden entwickelten sich und bildeten Synoden. 1949 schlossen sich die vier bestehenden Synoden zu einem Synodalverband zusammen, der seit dem Jahr 1968 offiziell Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien – EKLBB – genannt wird.

EKLBB - Bild 3Heute bilden 18 Synoden (415 Pfarreien mit 1.810 Gemeinden) mit großer Autonomie die Gesamtkirche, die mit 715.085 Mitgliedern die größte von 14 Evangelische-Lutherischen Kirchen in 18 Synoden.

Lateinamerika ist. Diese Kirchen haben eine Reihe von Netzwerken eingerichtet, in denen ihre gemeinsame Mission und insbesondere ihr Selbstverständnis als Kirchen zum Ausdruck kommen. Die jährliche KirchenleiterInnenkonferenz hat sich so weit entwickelt, dass mittlerweile gemeinsame Aufgaben und Probleme diskutiert, aber auch Zusammenarbeit, Austausch und gemeinsame Projekte vereinbart werden. Die EKLBB unterstützt durch die Entsendung von Geistlichen und Lehrkräften die Arbeit der Mitgliedskirchen in Mittelamerika. Auch in den Bereichen Diakonie, Frauenarbeit, Bildung, Kommunikation und Jugendarbeit bestehen Netzwerke der Kirchen.

EKLBB - Bild 4Obwohl die meisten der Glieder der EKLBB einen deutschen Nachnamen tragen, ist sie heute als Kirche in den brasilianischen Kontext integriert. Dazu durchlebte die Kirche auch eine Wandlung. Bis in die sechziger Jahre lebten die Mitglieder der IECLB meist auf dem Lande. Im Industrialisierungsprozess Brasiliens wanderten seither jedoch viele in die Städte ab, wurden in die Landlosigkeit getrieben oder suchten ihr Glück im Regenwald. Dem trägt die EKLBB in ihrer Arbeit Rechnung, indem sie in Neusiedlungsgebieten und in den Städten ihre missionarischen Anstrengungen verstärkt hat. So sieht die EKLBB als vorrangige Herausforderungen die Schärfung des lutherischen Profils, die Erlangung finanzieller Selbständigkeit auf allen Ebenen der Kirche und die Mission Gottes in der brasilianischen Gesellschaft, in die sie integriert ist, wahrzunehmen. Die EKLBB entwickelt sich mehr und mehr zu einer multikulturellen und multiethnischen Größe, die sich für eine mitverantwortliche Staatsbürgerschaft und für den zivilen Gemeinschaftsgeist engagiert, auch wenn dieser Prozess hier und da länger dauert, infolge des nachwirkenden kulturellen Erbes, aber auch weil wir bewusst auf Proseltenmacherei verzichten. So ist die Kirche insbesondere verpflichtet

– für den Einsatz für den Frieden, die Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung;

– für eine Lebenspraxis in der Gemeinde, in der Mission und in der Diakonie zugunsten der sozialen Eingliederung und für die Überwindung jeglicher Art von Ausgliederung;

– für eine intensivere Beteiligung an der öffentlichen Verantwortung, für die Überwindung von Armut und Misere als Beitrag dafür, dass Brasilien ein Land mit mehr Gerechtigkeit und Solidarität werde;

– für die Verbindung unseres ökumenischen Engagements mit unserer Missionsaufgabe, für furchtlose Rechenschaft über die evangelische Basis der Hoffnung, die in uns ist, angesichts der Herausforderungen in der heutigen Wirklichkeit, wobei wir aber gleichzeitig die Vielfalt der religiösen Optionen uneingeschränkt respektieren. (Nach: Erklärung der IECLB zum 180-jährigen Bestehen ihrer ersten Gemeinden, Oktober 2004)

Mehr Informationen über die Lutherische Kirche in Brasilien finden sie unter:

Tageslosung

Wer bereitet dem Raben die Speise, wenn seine Jungen zu Gott rufen und irrefliegen, weil sie nichts zu essen haben?

Hiob 38,41

Der Herr ist reich für alle, die ihn anrufen.

Römer 10,12

© Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine
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