Guarita

DAS INDIGENENGEBIET GUARITA

Guarita - Bild 1Wenn man von Indigenen in Brasilien spricht, muss man sich bewusst sein, dass es von den 5 Millionen Indianern, die im Jahr 1500 existierten, heute nur noch 750 000 gibt. Die anderen wurden durch Waffen, Gift und Krankheiten ausgerottet. Die Indigenen Einwohner die heute noch in Brasilien leben, gehören 227 unterschiedlichen Völker an und sprechen 180 verschiedene Sprachen. Sie leben im ganzen Territorium Brasiliens auf 604 Indigenen Gebieten, von denen 430 demarkiert sind, 99 im Demarkierungsprozess sind, und 75 Gebiete ohne jegliche Maßnahme.

Die Indigenen in Brasilien leben oder lebten als Jäger, Fischer, Sammler und bauten, zum Beispiel, Mais und Manjok an. Sie verstanden das Land, die Flüsse und die Wälder als Gemeineigentum. Im Süden Brasiliens leben die beiden Völker Guarani und die Kaingang. Die Kaingang Indigenen bewegten sich in einem riesigen Territorium, das sich vom Teil des heutigen Bundesland Sao Paulo bis in die Mitte von Rio Grande do Sul erstreckte. Aber die, die keine Grenze kannten, trafen auf die EinwanderInnen. Die EuropäerInnen beanspruchten genau abgesteckte und im Grundbuch eingetragene Ländereien. Sie erkannten weder die natürlichen noch die rechtlichen Ansprüche der Indigenen an.

Guarita - Bild 2Heute gibt es im Bundesland Rio Grande do Sul 14 Gebiete, die den Kaingang zugewiesen sind. Das größte und bewölktester davon ist das Indigene Gebiet Guarita. Die Geschichte dieses Gebietes geht zurück auf das Jahrzehnt 1840 als das Ziel war, die indigenen Gemeinden in abgesteckten Gebieten zu konzentrieren und Land sowie Mittel für die Kolonisation zu gewinnen. So setzte sich Pater Parés für die Ansiedlung der Indigenen des Kazique Fongue im Nordwesten von Rio Grande do Sul ein. Während der Kolonisation dieser Region waren die Beziehungen zwischen den Indigenen und den Bauern sehr konfliktreich. Die Kaingang wurden von legitimen Besitzern dieser Region zu Eindringlingen, die von den angeblich herrenlosen Ländereien versetzt werden müssten. Die brasilianische imperialistische Regierung „schenkte“ dem Häuptling und seinen Kriegern die Ländereien zwischen dem Fluss Guarita (im Osten) und dem Fluss Turvo (im Westen). Der Häuptling Fongue bekam den militärischen Titel „Major“ für die Dienste, die er während des Paraguay-Krieges geleistet hat (diese militärische Nomenklatur wird bis heute in der Gemeinschaft der Kaingang gebraucht).

1908 begann der Demarkationsprozess der indigenen Gebiete im Bundesland Rio Grande do Sul. Und im Jahre 1918 wurde das indigene Gebiet, damals Toldo do Guarita genannt, abgegrenzt, 23.183 Hektar groß, mit einer geschätzten Bevölkerung von 200 Menschen. Im Laufe der Jahre gab es Änderungen; erst 1991 wurde das Gebiet rechtsmäßig anerkannt (durch ein Dekret des Präsidenten), 23.406 Hektar groß und die Stadtbezirke von Tenente Portela, Redentora und Erval Seco umfassend. Anders als im Jahr 1918, als circa 200 Indianer in diesem Gebiet lebten, müssen heute etwa 7.000 Indigene der Ethnie Kaingang (verteilt in 12 Dörfer) und etwa 200 der Ethnie Guarani (verteilt auf 2 Dörfer) auf diesem Land leben. Von der Gesamtfläche sind 11.965 Hektar Urwald, 4.803 Hektar Sekundärwald und 6.638 Hektar werden für Pflanzungen, Wohnen und Straßen genutzt.

Guarita - Bild 3Im Gebiet Guarita begann die Arbeit der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLBB) in der Dekade von 1960 von der Kirchengemeinde Tenente Portela aus. Im Laufe der Zeitkamen Pfarrer aus dem Ausland, die nach dem damals Missionsverständnis, mit der Zustimmung der Behörden, christliche Gemeinde im Gebiet Guarita gegründet haben. Es wurde Schulen (zweisprachige) sowie Krankenstationen und landwirtschaftliche Techniken eingeführt. In den 1980ger Jahren– nach der Entstehung von Indianermissionsrat COMIN – haben sich ein neues Konzept und eine neue Praxis der missionarischen Arbeit gebildet.

Eines der heutigen Arbeitsfelder von Indianermissionsrat COMIN ist die Arbeit in Guarita, von wo aus das Projekt ASKAGUARU (Beratung der Kaingang und Guarani, die am Fluss Uruguay entlang wohnen) koordiniert wird. Das Projekt arbeitet mit Indigenen in den Bundesländer Rio Grande do Sul und Santa Catarina und wird in drei Schwerpunkten, die sich nach den Arbeitsrichtlinien von COMIN richten, durchgeführt:

Guarita - Bild 4a) das Projekt „Beratung in Gesundheit und Ernährung“, b) das Programm „Nachhaltigkeit“, c) das Programm „Schulwesen und Indigene Organisation“.  Das Team ASKAGUARU besteht zurzeit aus dem Agraringenieur José Manuel Palazuelos BAllivián, der Krankenschwester und Pädagogin Noeli T. Falcade und dem Pfarrer und Lehrer Sandro Luckmann. Die drei arbeiten als Team vernetzt zusammen.

Guarita - Bild 5In Guarita liegt im Bereich der Erziehung der Akzent auf der Gewährleistung einer staatlichen schulischen Erziehung für die Indigenen Gemeinden. Im indigenen Gebiet Guarita gibt es 13 indigenestaatliche Schulen (vom Bundesland); 11 davon befinden sich in Kaingang-Dörfern und 2 in den Guarani-Dörfern. Die Schulen werden von 1.980 SchülerInnen besucht, die ihre Grundschule (d. h. 8 Schulklassen) hier in zwei Sprachen – Muttersprache (Kaingang oder Guarani) und Portugiesich (Landessprache) – machen können. Das Lehrerkollegium besteht aus 145 LehrerInnen, davon 95 Indigene. Die Unterstützung der indigenen Schulgemeinde durch das Programm hat zum Ziel, die Kultur der Kaingang durch die schulische Bildung aufzuwerten und das Lehrsystem in den Schulen zu verbessern. Guarita - Bild 6Die Unterstützung von COMIN fordert die öffentlichen Politiker auf, sich im Hinblick auf eine spezifische Hochschulausbildung für Indigene in Brasilien einzusetzen, und zwar eine Hochschulausbildung, die in den Universitäten im Bundesland Rio Grande do Sul die Kultur der Kaingang berücksichtigt. Inzwischen gibt es 25 indigene Universitätsstudierende, die zum Beispiel Ernährungswissenschaft, Krankenpflege, Geschichte, Biologie, Sport, u. a. studieren.

Guarita - Bild 7Im Bereich der Gesundheit gibt es in Guarita 12 Gesundheitseinheiten und die gesundheitliche Betreuung wird von der FUNASA (Bunsdesstaatliche Gesundheitsbehörde) gewährleistet, und zwar durch 3 multidisziplinäre Gesundheitsteams, die aus Ärzten, Zahnärzten und Krankenpfleger, bestehen. An den Teams beteiligen sich auch indigene Gesundheitshelfer und indigene Helfern im Bereich der Hygiene und Wasserversorgung.

Guarita - Bild 8Das Projekt „Beratung in Gesundheit und Ernährung“, arbeitet mit und über diese bestehenden Gesundheitsstruktur hinaus und hat als Ziel„die bestehende öffentliche Gesundheitsbehandlung zu komplementieren, und eben eine differenzierte und qualitativ gute Gesundheitsbehandlung zu leisten, in der die Lebensweise der Indigenen und die traditionellen Gesundheitspraktiken wertgeschätzt und gefördert werden und das ursprüngliche Grundkonzept der indigenen Gemeinschaften verbreitet wird, angesichts der zunehmenden Komplexität der jetzigen Welt“. Schwerpunkt dabei ist auch die Ernährungsprobleme zu bearbeiten, wo mit Müttern, schwangeren und hochschwangeren Frauen gearbeitet, um die Probleme des Untergewichts bei Kindern zu bekämpfen und so die Kindersterblichkeit auf dem geringe Niveau, auf dem es derzeit ist, zu halten. Dieses Projekt wird vom Dekanat Sulzbach-Rosenberg mitfinanziert.

Guarita - Bild 9Im Bereich Nachhaltigkeit und Organisation wird sowohl in Richtung Umweltschutz und Biodiversität gearbeitet, als auch nach neuen Einkommensmöglichkeiten für die Indigene Gemeinde gesucht: „Das Thema Nachhaltigkeit und Organisation bezieht sich auf ein umfassenderes Verständnis der Lebensverhältnisse und beschränkt sich nicht nur auf die Sorge um das Land und dessen Ressourcen, sondern auch auf die wirtschaftlichen Besserungen, wo an der Festigung einer finanziellen, organisatorischen und politischen Unabhängigkeit gearbeitet wird“.

Hier wird an der Wiederbelebung der traditionellen Ernährung und der Rückgewinnung des Saatguts, wie Kürbis, Mais, Erdnüsse und dem Anbau der Brasilianische Tanne (Pinheiro-Pinhäo), wie auch an der Herstellung oder der Erhaltung der Fruchtbarkeit des Bodens mit ökologischen Kenntnissen und Methoden gearbeitet. Eine wichtige Arbeit wird bei der Herstellung von Kunsthandwerk, wo biologische Materialien aus dem Wald genommen werden, gemacht, indem für die nachhaltige Handhabung dieser Materialien gesorgt wird (im Wald erhalten, Anbau von Pflanzen,Einführung von alternativen Materialien). Es wird auch bei der Organisation und Entwicklung neuer Modelle von Kunsthandwerken, die dann vermarkt werden können, gearbeitet. Hier wird die Teilnahme und Organisierung von solidarischem Messen gefordert, wo dann Austausch von Vermarktung, Produkten, Dienstleistungen, Erfahrungen und Technologien im Hinblick auf die Kooperation, die Selbstverwaltung, das Teilen und die Solidarität ermöglicht wird.

Guarita - Bild 10Aus Guarita wird auch eine Arbeit als „Brückenbauer“ zwischen Indigene und nicht-indigenen Gemeinden gemacht. Sie zielt auf eine umfassendere Unterstützung der indigenen Gemeinden sowie auf die Förderung des interkulturellen und interreligiösen Gesprächs. In Schulen, Universitäten, gesellschaftlichen und religiösen Einrichtungen werden Aktionen durchgeführt, um Vorurteile der indigenen Kultur gegenüber abzubauen. Hier werden auch Aktionen in Gemeinden und Gruppen innerhalb der EKLBB gemacht.

Tageslosung

Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

Psalm 127,2

Mein Gott wird all eurem Mangel abhelfen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus.

Philipper 4,19

© Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine
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