Projekt

BERATUNG IN GESUNDHEIT UND ERNÄHRUNG

Die Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien ( EKLBB ) ist schon seit Anfang der 60iger Jahre im Gebiet Guarita tätig. Zuerst durch die Gemeinde vor Ort und dann durch dem Indianermissionsrat COMIN, seit dessen Gründung im Jahr 1982. Als eines von seinen sieben Arbeitsfeldern unter den indigenen Völkern wird von Guarita aus das Projekt ASKAGUARU (Beratung der Kaingang und Guarani, die am Fluss Uruguay entlang wohnen) koordiniert.  Das Projekt arbeitet mit Indigenen in den Bundesländern Rio Grande do Sul und Santa Catarina und wird in drei Schwerpunkten, die sich nach die Arbeitsrichtlinien von COMIN richten, ausgeführt: a)  das Projekt „Beratung in Gesundheit und Ernährung“, b) das Programm  „Nachhaltigkeit“, c) das Programm „Schulwesen und Indigene Organisation“.  Das Team ASKAGUARU besteht zurzeit aus der Krankenpflegerin Noeli T. Falcade, Agraringenieur Jose Manuel Palazuelos Ballivián und dem Pfarrer Sandro Luckmann.  Obwohl jede/r für seinen Schwerpunkt zuständig ist, arbeitet das Team vernetzt zusammen und ihre Arbeit nimmt die soziale und kulturelle Vielfalt und die interethnische Koexistenz wahr.

Das Projekt „Beratung in Gesundheit und Ernährung“ begann im Sommer 2001, als in Guarita in kurzer Zeit 23 Kinder unter fünf Jahren starben. Die Bundesstaatliche Gesundheitsbehörde (FUNASA) lud COMIN ein, eine Notfall-Initiative zu koordinieren. Sie sollte unter den Familien der Kaingang und der Guarani in Guarita die Ursache der Tode herausfinden und Aktionen im Hinblick auf eine Änderung dieser Situation anstoßen. Zu Beginn der Arbeiten wurde festgestellt, dass die Kinder unter fünf Jahren ein zu geringes Körpergewicht hatten. Im Jahr 2003 war das Problem der Kinder mit geringem Körpergewicht stark zurückgegangen. Die Bundesstaatliche Gesundheitsbehörde zog sich aus allen Aktionen diesbezüglich heraus. Weil es aber in Guarita das Problem der Unterernährung weiterhin gab und es auf diese Weise wieder zu einem Kindersterben kommen konnte, beschloss COMIN, das Projekt weiter auszuführen. Damit diese Arbeit für eine bessere Ernährung und Gesundheitsvorsorge der Indigenen in Guarita weiter gemacht werden konnte, mussten die finanziellen Mittel dafür besorgt werden.

Projekt - Bild 1Aus dem Bezirk des Dekanats Sulzbach-Rosenberg gibt es schon seit 1976 einen Kontakt und ein großes Engagement mit den Indigenen in Guarita. Im Jahr 2000 wurde die Solidaritätserklärung mit dem Volk der Kaingang zwischen dem Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirkes Sulzbach-Rosenberg und dem Indianermissionsrat COMIN der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien verabschiedet, in der die Partner sich verpflichteten, weiterhin ihre Unterstützung und Solidarität zum Schutz des Lebens der Indigenen in Guarita zu geben. So werden seit 2004 die finanziellen Mittel aus dem Dekanat für das Projekt „Beratung in Gesundheit und Ernährung“ verwendet, nämlich für das Gehalt von Krankenschwestern und Pädagogin Noelí Falcade. Finanziell wird das Projekt auch von Projekthilfe Dr. Luppa e.V. aus Amberg unterstützt.

Projekt - Bild 2Bei den Indigenen bestimmen die traditionellen Kenntnisse den praktischen Alltag und werden von einer Generation zur anderen weitergegeben. Sie bestimmen auch den Glauben der Gemeinden, die im direkten Kontakt mit der Natur leben. Darum hat das Projekt “Beratung in Gesundheit und Ernährung” die Aufwertung des Wissens der WissensträgerInnen (Älteren) und die Wiederbelebung der Kultur als Schwerpunkte.

Das Ziel des Projektes ist die bestehende öffentliche Gesundheitsbehandlung zu komplementtieren, und eben eine differenzierte und qualitativ gute Gesundheitsbehandlung zu leisten, in der die Lebensweise der Indigenen und die die traditionellen Gesundheitspraktiken wertgeschätzt und gefördert werden, im Einklang mit dem bestehenden offiziellen Recht, das Autonomie und Unabhängigkeit versichert.  Dafür wird der  Dialog zwischen den Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit der westlichen Medizin und der traditionellen indigenen Medizin sowie die Aufwertung und Wiederbelebung der Erziehungspraktiken der Familie und der Gemeinde nach ihren Bedürfnissen, Fähigkeiten, Gewohnheiten und kulturellen Werten, gefordert und ermöglicht. Das Projekt nimmt „Hilfe zur Selbsthilfe“ wahr, so dass die Indigenen in Guarita Protagonisten ihres historischen Prozesses sein können.

Projekt - Bild 3Im  Projekt wird sowohl an den Problemen, die Gesundheit und Ernährung betreffen, als auch an der Prävention dieser gearbeitet. Es werden Gruppen mit Müttern, deren Kinder Ernährungsmangel haben, Gruppen mit schwangeren, hochschwangeren und stillenden Frauen gegründet, mit denen dann über Ernährung, Stillen und Kinderpflege gesprochen wird, die bezüglich krankheitsvorbeugender Maßnahmen beraten werden, wie auch der Austausch von Erfahrungen und Kenntnissen, besonders der WissenträgerInnen (älteren Frauen) auf die jüngere Generation, gefördert.

Projekt - Bild 4Um die traditionellen Gesundheitspraktiken aufzuwerten und wieder zu beleben wird das Wissen über die Kraft und Anwendung von Heilpflanzen wiederbelebt, weitergegeben und verschiedene Heilmittel werden hergestellt. Auch das Anlegen von Gemeinschaftsgärten mit Gemüse und Heilkräutern wird unterstützt.

Projekt - Bild 5Familien, in denen Kinder mit Ernährungsmangel leben, werden mit Nahrungsergänzungslebensmittel unterstütz (½ kg brauner Zucker, 1 kg Maismehl, 1 Packung Kekse (Waffeln), 1 ½ kg Bananen, 1 kg Äpfel, ½ kg Karotten, 1½ kg Kartoffeln, ½ kg Nudeln, und 1 kg Rindfleisch). Gleichzeitig werden die Familien begleitet, sie werden bei der der Vor- und Zubereitung der für das Kind nötigen Lebensmittel beraten, bis sich ihr Zustand verbessert hat und die Familie sich bewusst über die Nährwerte dieser Lebensmittel geworden ist.

Projekt - Bild 6Auch die Teilnahme an Werkstätten zur Beratung und Herstellung von spezifischen ernährungsreichen Lebensmitteln für Kinder und schwangere Frauen, Werkstätten zur Wiederbelebung des indigenen Wissens der Frauen und Werkstätten über Lebensmittel, die die Familie zur Verfügung hat, werden gefördert.

Projekt - Bild 7Das Projekt  bietet den indigenen Gemeinden Werkstätten, Vorträge, Besuche in den Schulen, umfangreiche Informationen über die Gesundheitsversorgung und Ernährungssicherheit. Hier wird auch der Dialog zwischen den Gesundheitshelfern und indigenen Gemeinden gefördert, sowie der Dialog mit anderen Instanzen, die für die indigene Gesundheit zuständig sind. Über Möglichkeiten zur Bewältigung der sozialpsychologischen Probleme (Abhängigkeit, Sucht und Unterwerfung) und über ihre Vernetzung mit anderen Aspekten ihres Lebens, wie zum Beispiel gesunde Ernährung, Gemeindeorganisation, geschlechterspezifische Rollenerwartung, Selbstwertgefühl und Lebensqualität im Hinblick auf die Lebensweise der indigenen Völker wird sich ausgetauscht.

Weil die Arbeit im Team Guarita vernetzt durchgeführt wird, wird auch im Bereich Erziehung gearbeitet. Hier werden die indigenen LehrernInnen und GesundheitshelferInnen bei der Vorbereitung von Lehr-und Lernmaterialien über Themen, die im Zusammenhang mit Förderung der Gesundheit undGesundheitsprävention der Indigenen stehen, im Einklang mit den Möglichkeiten und neuen Anforderungen, unterstützt.

Sie können hier über das dreijahres Projekt 2009-2011 „Beratung in Gesundheit und Ernährung“ lesen, wie auch über Arbeitsberichte (2008 und 2009) und “Wer wird geholfen – Ein Beispiel“.

Projekt - Bild 8“Als Indigene müssen wir uns für die Wiederbelebung von Allem einsetzen, was uns verloren gegangen ist, selbst wenn wir mit der Entwicklung der Menschheit Schritt halten, die in unseren Augen zu rasant schnell geht. Wir wollen nicht in der Zeit stehen bleiben, aber auch nicht zulassen, dass sie uns das nimmt, was wir wahrhaftig sind. Und in diesem Bewusstsein sollen unsere Kinder aufwachsen, damit unsere Enkel die Geschichten der Älteren gerne hören, einer Generation nämlich, die fast verschwunden wäre.”  Laísa S. Ribeiro-Frau des Volkes Kaingang

Tageslosung

Hilf deinem Volk und segne dein Erbe und weide und trage sie ewiglich!

Psalm 28,9

Jesus spricht: Ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.

Johannes 10,16

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