Geschichte

Die evangelische Gemeinde in der Kreisstadt Schwandorf hat eine lange Geschichte: Seit dem Jahr 1865 gibt es in der protestantischen Diaspora eine evangelische Gemeinde. Doch die Wurzeln dieser Glaubensgemeinschaft reichen noch viel weiter, bis ins 16. Jahrhundert, zurück. Am 22. Juni 1542 führt der damalige Herrscher, Pfalzgraf Ottheinrich von Neunburg, per Edikt den evangelischen Glauben in seinem Herrschaftsbereich ein, die Schwandorfer Jakobskirche wird evangelisch. Zumindest bis zum Jahre 1617: Mit dem Edikt von Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm wird der katholische Glaube wieder eingeführt. Eine schwere Aufgabe für den damaligen Pfarrer Leonard Strobel, denn die meisten Bürger wollten evangelisch bleiben. Nach zähem Widerstand blieb den Bürgern aber letztendlich nur die Möglichkeit, zum katholischen Glauben überzutreten, oder auszuwandem. Dieses Datum markiert das vorläufige Ende der evangelischen Kirchengemeinde in Schwandorf.

Erst 146 Jahre später, im Jahre 1863, wird wieder der erste evangelische Gottesdienst in Schwandorf seit dem Edikt Wilhelms gehalten. Es beginnt die Zeit der Reiseprediger. Am 2 März 1865 übernimmt der Pfarramtskandidat Reinhold Schmidt als erster die Aufgabe eines Reisepredigers in der protestantischen Diaspora. Die evangelische Gemeinde in Schwandorf wird offiziell gegründet. Dem Reiseprediger Schmidt folgen Friedrich Glenk und Heinrich Wilhelm Teicher, der dieses Amt bis 1871 ausübt. Ein Jahr später wird die evangelische Kirche in der Bahnhofsstraße gebaut. August Schramm, von 1903 bis 1912 Reiseprediger, wird ab 1912 erster Pfarrer in der Schwandorfer Gemeinde, die zu dieser Zeit 290 Gläubige umfasst. Die Pfarrei erstreckt sich seinerzeit von Pfreimd im Norden bis Pirkensee im Süden, von Oberviechtach im Osten bis Schmidmühlen im Westen.

Reiseprediger Reinhold Schmidt, Friedrich Glenk und August Schramm (von links)

Reiseprediger Reinhold Schmidt, Friedrich Glenk und August Schramm (von links)

Die Gemeinde wächst über die Jahre stetig, wir schreiben mittlerweile das Jahr 1945, die Gemeinde hat schon 8620 Mitglieder. Die Nacht des 17. April 1945 ist nicht nur für die gesamte Stadt Schwandorf, sondern auch für die evangelischen Kirchengemeinde, der schwärzeste Tag der Geschichte. Als ein Großteil der Bevölkerung schon hofft, vom schrecklichen Kriegtstreiben verschont zu bleiben, sucht der Krieg die Schwandorfer mit all seiner Grausamkeit heim. Ein nächtlicher Angriff eines alliierten Bombergeschwaders zerstört nahezu die halbe Stadt. Auch die evangelische Kirche von 1872 ist komplett den Bomben zum Opfer gefallen. 1949 wird die Erlöserkirche als Notkirche gebaut, ein Jahr später wird sie von Bischof Meiser geweiht. Die Erlöserkirche sollte bis zum heutigen Tag das Wahrzeichen der evangelischen Kirchengemeinde in der Kreisstadt Schwandorf bleiben. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs richtete die evangelische Gemeinde außer der Kirche Begegnungsmöglichkeiten in nahezu allen Stadtteilen ein. Nicht nur in eigenen Räumen, auch in Schulen, kommunalen Gebäuden und katholischen Kirchen feierten die Gläubigen ihren Gottesdienst. Als zweite Kirche der Gemeinde, wird 1966 die Friedenskirche in Wackersdorf eingeweiht. 1972 erwirbt die Gemeinde auf dem Weinberg einweiteres Gebäude, das über die Jahre hinweg neben der Erlöserkirche das geistliche Zentrum der Gemeinde bildet. Neben den sonntäglichen Gottesdiensten bietet das Weinbergzentrum auch und vor allem Raum für die Kinder- und Jugendarbeit, zahlreiche andere kirchliche Gruppierungen, Vorträge und das große Gemeindefest. Doch mit der Zeit ändert sich das Verhalten der Menschen: Immer mehr Gemeindemitglieder nehmen den Weg in die Erlöserkirche auf sich, anstatt in einem Schulhaus Gottesdienst zu feiem. 1993 wird die letzte Gottesdienststation im Stadtteil Klardorf geschlossen. Im Dezember 2001 reicht die Gemeinde Pläne an die Stadt ein, die den Neubau eines Gemeindesaals bei der Kirche in der Bahnhofsstraße vorsehen. Pfingsten 2010 wird nach langer Zeit der Wunsch der Gemeinde Wirklichkeit: Die renovierte und umgebaute Erlöserkirche wird mit einem Festgottesdienst eingeweiht.

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Tageslosung

Wer bereitet dem Raben die Speise, wenn seine Jungen zu Gott rufen und irrefliegen, weil sie nichts zu essen haben?

Hiob 38,41

Der Herr ist reich für alle, die ihn anrufen.

Römer 10,12

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